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Chronik |
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75 Jahre Straßenbahner Sportverein Mannheim 1927 e.V.
Ehrung verdienter Sportler / Öffnung für Jugend
Wenn andere nach getaner Arbeit zum Sporttraining eilen, sind sie
meistens irgendwo auch Achse: die Straßenbahner. In welchem Verein
sollten sie also Sport treiben, wenn sie im Schichtdienst am Zug waren?
Es blieb nur eines: ein eigener Verein mit flexiblen Trainingszeiten
musste her. 1927 wurden die Weichen gestellt. Im Frühjahr wurde die
Fußballabteilung der Straßenbahner Mannheim gegründet, die sich als
selbständige Sportabteilung dem "Verein Freier Turner" anschloss. 1953
kam die Unabhängigkeit: Der "Straßenbahner Sportverein Mannheim 1927
e.V." (SSV) wurde gegründet. In diesem Jahr können die Sportler mit
Stolz auf ihr 75-jähriges Jubiläum zurückblicken. Der Festabend am 25.
Oktober 2002 in der Rheingoldhalle Mannheim-Neckarau war Höhepunkt und
Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten. Stadtrat Paul Buchert
überbrachte die Glückwünsche des Oberbürgermeisters und des
Gemeinderates. Der langjährige Geschäftsführer Rudi Graf begrüßte unter
den rund 60 Gäste auch die Leiterin des Fachbereichs Sport und Freizeit
der Stadt Mannheim, Gerda Brand sowie den ehemaligen Sportbürgermeister
Manfred David.
In seiner Laudatio betonte der scheidende MVV-Personalvorstand Klaus
Curth: "Unser Sportverein ist nicht irgendeine Modeerscheinung, er ist
Teil unseres Lebens. Was vielen Vereinen heute fehle ist die
Begeisterung, das Engagement und das Herzblut der Mitglieder. Darauf
bin ich sehr stolz." Weiter hob Curth die Bedeutung des SSV als
wichtiges Netzwerk in Zeiten zunehmender sozialer Kälte verursacht
durch die Veränderungen im Berufsleben hervor. Zugleich spornte er die
Vereinsmitglieder an, für den Erhalt der Rheingoldhalle zu kämpfen, die
für den Verein seit der Einweihung 1965 die sportliche Heimat ist.
"Wenn wir es schaffen, der MVV unsere soziale Verantwortung als Verein
aufzuzeigen, können wir es schaffen, die Rheingoldhalle zu halten", gab
sich Curth optimistisch den geplanten Verkauf des Geländes abwenden zu
können. Damit der SSV kein "Club der Alten" wird, appellierte Curth,
den Verein auch für Jugendliche stärker zu öffnen.
Was wäre der Sport ohne ehrenamtlich engagierte Vereinsmitglieder? Als
Dankeschön für langjährigen und unermüdlichen Einsatz vom Badischen
Fußballverband Kreis Mannheim wurden der Erste Vorsitzende des SSV,
Otmar Rauch, mit der silbernen und Rudi Graf, der SSV-Geschäftsführer,
mit der goldenen Verbandsnadel ausgezeichnet. Für ihr langjähriges
Engagement für den Straßenbahner Verein und den vom SSV mitgegründeten
Deutschen Sportring wurden außerdem geehrt: Rudi Graf, Hans Keilhauer,
Klaus Curth, Kurt Schachtschneider, Helmut Wedel, Otmar Rauch, Kurt
Wittermann und Jürgen Horstmann.
75 Jahre SSV ist zugleich Zeit, die Vereinsgeschichte Revue passieren
zu lassen. 12 Jahre nach der Gründung der Fußballabteilung kam der
härteste Einschnitt: Die Nationalsozialisten verboten die "Freien
Turner". Der Spielbetrieb ruhte von 1939 bis 1947, also acht lange
Jahre. Doch danach ging es wieder aufwärts. Die Straßenbahner schlossen
sich der SG Mannheim - den früheren "Freien Turnern" an und knüpften
wieder Kontakte zu den Berufskollegen anderer Städte. Am 31. Juli 1953
gründeten sie ihren eigenen Verein, der seither den Namen
"Straßenbahner Sportverein Mannheim 1927 e.V." trägt. Der Verein zählte
damals 142 Mitglieder der Fußballballabteilung. Hinzu kamen die 20
Sportler der neugegründeten Tischtennisabteilung. Der Jahresabschluss
wies Gesamteinnahmen von 2.880,28 DM, Gesamtausgaben von 2.281.56 DM
und einen Gewinn von 598,72 DM aus. Es blieben sage und schreibe 21
Prozent der Einnahmen als Gewinn übrig. Davon können Vereine heute nur
träumen.
1959 kam die Kegelabteilung dazu, 1963 die Tennis- und 1965 die
Jedermannsportgruppe. Das Jahr 1965 bildete den Meilenstein in der
Vereinsgeschichte: Oberbürgermeister Dr. Hans Reschke weihte die
Rheingoldhalle ein. Im Jahr 2002 zählt der Verein 270 Mitglieder, ein
spürbarer Rückgang im Vergleich zu den Jahren 1965 bis 1980 als der SSV
500 Mitglieder zählte.
Auf sportlicher Ebene fanden Gruppenspiele und Wettkämpfe mit anderen
Verkehrsbetrieben statt. 1930 kamen 2.100 Zuschauer zum
Freundschaftsspiel gegen die Nürnberger Berufskollegen. 1952 stiegt die
1. Mannschaft von der C- in die B-Klasse für Privatmannschaften auf.
Seit 1954 werden die Vereine der Verkehrsbetreibe in einen
neugegründeten Netzwerk koordiniert, dem Deutschen Sportring. 1961
gründete der Personalrat das Sozialwerk der Verkehrsbetriebe
Mannheim-Ludwigshafen, in dem alle Kultur- und Sportabteilungen
zugsammengefasst wurden.
Mannheim, den 25 . Oktober 2002
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